10. Februar 2017

Intralogistik auf der drinktec 2017

Wege zur „smarten“ Supply Chain

Die deutschen Intralogistikunternehmen hatten im Jahr 2015 zusammen ein Produktionsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro. Damit ist die Intralogistik ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Und in der Brau-, Getränke- und Liquid-Food-Industrie zunehmend ein zentraler Erfolgsfaktor. Aus zweierlei Sicht: Zum einen schlummern hier noch echte Rationalisierungspotenziale. Zum anderen ermöglicht eine „smarte“ Logistik ganz neue Geschäftsmodelle. Welche technischen Lösungen dahinter stehen, zeigt die drinktec 2017, Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie, vom 11. bis 15. September 2017 in München.

Aber was genau bedeutet der Begriff „Intralogistik“? Ganz grundlegend beschäftigt sich die Intralogistik wie die Logistik selbst mit Material- und Warenflüssen. Allerdings spielen sich diese nicht auf den Straßen der Welt ab, sondern innerhalb eines Betriebsgeländes. Hier werden einerseits Waren in Kästen, Wraparounds oder Baskets gepackt, dann entsprechend der Bestellung auf Paletten kommissioniert und für den Versand bereitgestellt. Auf der anderen Seite müssen Rohstoffe oder das Neuglas vom Lager zu den Verbrauchsstellen gebracht werden.

Schnell, flexibel und bis Losgröße 1
Über die Jahre hat sich dieser innerbetriebliche Warenfluss vom „notwendigen Übel“ zu einem wichtigen Wertschöpfungsfaktor von Unternehmen gewandelt. Denn nur wer schnell, flexibel und ohne unnütz gebundenes oder verbrauchtes Kapital liefern und versorgen kann, setzt sich gegen seine Mitbewerber durch. Stichwort Geschwindigkeit: Heute bestellt und morgen geliefert? In vielen Anwendungsfällen reicht das längst nicht mehr aus. „Same Day Delivery“ ist insbesondere beim Lebensmittel-Onlinehandel fast schon ein Muss. Lieferketten müssen dazu anpassungsfähig sein. Denn die Märkte verändern sich permanent. Und: Die Bestellmengen werden immer kleiner. Losgröße 1 lautet ein konkretes Ziel. Für den Getränke- oder Liquid-Food-Hersteller wird die Anzahl an Verpackungen also weiter steigen. Und damit die Notwendigkeit, die vom Kunden gewünschte Vielfalt effizient zu packen, zu palettieren und zu transportieren.

Packen und etikettieren in der Logistik macht durchaus Sinn
Hier deutet sich eine Verlagerung von der Produktion in die Logistik ab, wie Thomas Lehmann, geschäftsführender Gesellschafter der BMS Maschinenfabrik GmbH, verdeutlicht: „Diese Fülle inline realisieren zu wollen, ist die Welt der Großkonzerne. Sie können einfach so große Chargen abarbeiten, damit sich das Umstellen einer kompletten Abfüll- und Verpackungslinie auch lohnt.“ Für kleine und mittelständische Betriebe, die etwa 60 Prozent der Fachbesucher der drinktec stellen, schlägt Lehmann daher einen anderen Weg vor: „Hier füllen wir das Vollgut mit höchster Effizienz in die Standard-Kästen ab, fahren diese dann ins Logistikzentrum und machen dort die gewünschte Transport- oder Verkaufsverpackung in einer kompakten und hochflexiblen Umpackanlage.“ Vorteile dieser Lösung sind unter anderem: verkehrsoptimierte Wege, höherer Wirkungsgrad und geringerer Umstellaufwand im Flaschenkeller, bessere Planbarkeit weil bedarfsgerechtes Umpacken mit aktuellem MHD und kein Einstauben der Verpackung. Gegebenenfalls wird laut Lehmann noch ein weiterer Prozessschritt dem Weg der Umpackanlage folgen. „Auch die Etikettierung könnte in die Logistik versetzt werden. Die Umpackanlage übernimmt in diesem Fall das Auspacken der Flaschen und setzt anschließend die beispielsweise für den Exportmarkt just in time etikettierten Flaschen in die Versandverpackung ein.“

Apropos Getränkeversand: Hierzu werden auf der drinktec ebenfalls interessante Lösungen gerade für Mehrweg zu sehen sein. Dazu zählen einerseits Getränkekästen, die mit einer Vielzahl von Mehrweg-Multipackvarianten kompatibel sind. Ein zweite und etwa in Österreich bereits beliebte Lösung sind so genannte Carrier Trays. Diese flachen Mehrwegladungsträger werden mit Standardflaschen oder Multipacks bestückt, dann gestapelt und schließlich als „Regalersatz“ direkt auf die Handelsfläche geliefert. Darüber hinaus dienen die Carrier nach dem Verkauf des Vollguts auch der Leergutrückführung.

4.0 sorgt für neue Impulse
Doch zurück zur Intralogistik: IT- und Automationslösungen sind hier schon lange fester Bestandteil. Luigi Panzetti, Geschäftsführer der italienischen System Group, stellte beispielsweise bereits auf der drinktec 2013 fest: „In der Welt der Getränke steigt das Interesse an Automatisierungssystemen innerhalb der Firmen und es wird auf immer höherem Level investiert. Wir glauben, dass diese Messe die beste Gelegenheit bietet, Kunden der Getränkeindustrie zu treffen und Strategien für zukünftige Entwicklungen zu besprechen, auch um das Wachstum und die Effektivität durch Automatisierung zu fördern.“

Aktuell sorgt in diesem Segment ein weltweites Top-Thema für ganz neue Impulse. „Auf Anwenderseite rückt Industrie 4.0 stärker in den Fokus“, so umreißt Sascha Schmel, Geschäftsführer VDMA Fachverband Fördertechnik und Intralogistik, kurz und knapp die gegenwärtige Entwicklung. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als: Die Bereitschaft zu vernetzten und automatisierten Lösungen nimmt in der Getränke- und Liquid-Food-Industrie weiter zu. Einige dieser 4.0-Ideen sind in der Intralogistik ebenfalls längst Realität: Transportsysteme, die ihre innerbetrieblichen Routen selbst organisieren, oder Palettierroboter, die Leerstände in Echtzeit erkennen und auffüllen. Das sind nur zwei Beispiele für Intralogistik-Lösungen, die dank innovativer IT zu internen „Komplettdienstleistern“ werden – und autonom ihre Arbeiten erledigen.

Das Internet der Dinge als Missing Link
Und wie wird es weiter gehen? Die Zukunft gehört sicherlich der durchgängigen Vernetzung vom Rohstoff bis zum Kunden, der „smarten Supply Chain.“ Möglich macht das das Internet der Dinge: 20 Milliarden Dinge sind weltweit bereits mit einer eigenen IP-Adresse sowie einem Chip oder Sensor ausgestattet und mit dem Internet verbunden. Sie können so lokalisiert und identifiziert werden. Sie können aber auch untereinander eigenständig interagieren. Der Kühlschrank, den eine Wetter-App über eine bevorstehende tropische Nacht informiert, der daraufhin selbständig das Lieblingsbier und das Grillgut ordert, welche wiederum ihre Produktion und Lieferung innerbetrieblich autonom organisieren und abwickeln. So fern ist diese Vision längst nicht mehr. Der erste selbstfahrende LKW lieferte vor wenigen Monaten in den USA über eine Distanz von 120 Meilen 2.000 Kartons Budweiser-Bier aus. Gut, das ist jetzt zwar externe und keine interne Logistik. Aber auch für diese Disziplin werden auf der drinktec 2017 aktuell Trends und zukünftige Entwicklungen zu sehen sein. Und das macht die drinktec auch für Handelsunternehmen so interessant. Eine Anziehungskraft, die durch die Leitmesse des gesamten deutschen Getränke-und Conveniencefachhandels weiter verstärkt wird - die PRO FachHANDEL. Diese wird 2017 zum ersten Mal parallel zur drinktec in München ausgetragen. Die PRO FachHANDEL belegt dabei die Halle B0 und das Foyer des ICM auf dem Messegelände in München. „Mit der Kooperation“, so Alexander Berger, Vorstand der GES und Verantwortlicher für die Organisation der PRO FachHANDEL, „gewinnt die Messeplattform für die Besucher und Aussteller aus der gesamten Fachhandelsbranche weiter an Attraktivität. Die PRO FachHANDEL mit ihren Sonderflächen Newcomer-Market und Bier Live reihen sich vortrefflich in das Rahmenprogramm der drinktec ein.“