„Wahrer Fortschritt heißt radikal neu zu denken“

Im Gespräch berichtet Tobias Wetzel, Geschäftsführer Sales and Service der KHS GmbH, warum die drinktec für ihn „die bedeutendste Innovationsbühne ist“, gibt Einblicke in die Innovationsinfrastruktur bei KHS und blickt voraus auf die Neuerungen, die der Abfüll- und Verpackungsspezialist in München zeigen wird.

Veröffentlicht am 20/08/2025

Technik & Technologie
Wasser
Alkoholfreie Getränke
Saft & Nektar
Flüssige Lebensmittel
Funktionale Getränke
Bier

Ein Beitrag von

Dr. Jörg Bückle

freier Autor und Branchenexperte

Tobias Wetzel, Geschäftsführer Sales and Service der KHS GmbH

Innovationstreiber überall: Vom Bevölkerungswachstum bis hin zur Cyberkriminalität

Von Henry Ford stammt das Zitat: „Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Was hätten Sie mit Blick auf die Getränke- und Liquide-Food-Industrie Henry Ford geantwortet?

Tobias Wetzel

Versetzen wir uns in die Zeit von Henry Ford zurück. Damals waren abgepackte Getränke – vor allem Bier und Softdrinks – sehr begehrt. Es gab allerdings zwei große Probleme: Erstens war die Haltbarkeit stark begrenzt, zweitens war der Transport aufwendig. Unsere Aufgabe als Lösungsanbieter besteht darin – und in diesem Punkt hat sich seit der Zeit Henry Fords nichts geändert – die Bedürfnisse der Verbraucher zu antizipieren und zu analysieren. Darauf aufbauend erarbeiten wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden Lösungen, die messbare Mehrwerte über das Produkt hinaus bieten. Wahrer Fortschritt liegt für mich nicht darin, bestehende Prozesse nur schrittweise zu optimieren, sondern radikal neu zu denken. Als KHS setzen wir genau dort an – sei es durch effiziente Linienkonzepte, durch nachhaltige Verpackungslösungen oder durch smarte, vernetzte Anlagen. Innovation heißt für uns: nicht das schnellere Pferd liefern, sondern Antworten auf die Fragen, die der Markt vielleicht noch gar nicht stellt – aber stellen wird.

Was sind aktuell die globalen und regionalen Innovationstreiber?

Tobias Wetzel

Das weltweite Bevölkerungswachstum mit all seinen Auswirkungen auf Gesellschaft, Umwelt und Politik beeinflusst die Getränke- und Verpackungsindustrie nach wie vor maßgeblich. Ein wichtiger Trend, den wir global beobachten, ist das Streben nach umwelt- und ressourcenschonenden Antworten, darunter beispielsweise unsere Lightweight-Verpackungslösungen.

Weitere bedeutende Innovationstreiber sind Automatisierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie digitale Lösungen zur Anlagenführung und -überwachung. Mit zunehmender Cyberkriminalität steigt der Bedarf an sicheren Softwarelösungen. KHS bietet seinen Kunden unter anderem geschützte OT-Systeme sowie eine sichere Netzwerkarchitektur für Echtzeitdatenzugriff.

Nur die allerwenigsten Innovationen passieren einfach so. Sie müssen vielmehr gezielt herbeigeführt werden. Wie sieht dieser Prozess bei KHS aus?

Tobias Wetzel

Innovationen sind für mich gleichbedeutend mit Erfindungen, die sich erfolgreich auf dem Markt durchsetzen. Dafür ist ein ausgeklügelter Prozess nötig, der zum einen auf der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Kunden aufbaut. Zum anderen sind engagierte und motivierte Mitarbeitende, die mit viel Herz und Sachverstand ihre Kreativität jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen, für den Erfolg unerlässlich. Ein weiterer bedeutender Faktor ist unsere oftmals langjährige Kooperation mit Technologiepartnern wie Ferrum, H.F. Meyer und Tyrolon.

Innovationen müssen aber nicht nur in der Simulation oder dem Labor funktionieren, sondern sie müssen in der realen Produktion tagtäglich besser sein als der Status quo. Wie gelingt dieser Spagat zwischen Theorie und Praxis?

Tobias Wetzel

Wie bereits erwähnt, erfordert eine Innovation meiner Meinung nach, dass sich das Produkt erfolgreich im Markt etabliert. Unsere Kunden wünschen sich natürlich, dass unsere Abfüll- und Verpackungsanlagen 24/7 mit höchstem Wirkungsgrad arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen wir kontinuierlich mit ihnen im engen Austausch. Denn erfolgversprechende Erfindungen können nur dann zu einer Innovation werden, wenn sie den Feldtest bei unseren Kunden bestehen. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist unser Nature MultiPack. Nur durch die ausdauernde und enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist es uns gelungen, eine vielversprechende Idee zu einer marktreifen Lösung und damit einer Innovation zu entwickeln.

Gemeinsam haben wir nicht nur ein innovatives Verpackungskonzept realisiert, sondern auch die dafür notwendige NMP-Maschine zur Serienreife gebracht. Heute ist sie als industriell erprobte Technologie erfolgreich im Einsatz und verarbeitet im 24/7-Betrieb bis zu 100.000 Dosen pro Stunde – effizient, nachhaltig und wirtschaftlich. Dieses Produkt zeigt eindrucksvoll, wie partnerschaftliche Entwicklung zu echter Innovation führt.

Ihr Kundenspektrum reicht vom regionalen Produzenten bis zum globalen Konzern. Wie beeinflusst diese Vielfalt den Weg von der Idee einer Innovation bis zum fertigen Produkt?

Tobias Wetzel

Die Getränke- und Liquide-Food-Industrie ist sehr breit aufgestellt. Das sieht man auch an der drinktec. Hier kommen wir nicht nur mit globalen Großkonzernen zusammen, sondern treffen auch auf viele mittelständische und kleine Unternehmen. Das macht die Branche und die Messe so aufregend und einzigartig. Unser Entwicklungsprozess ist auf diese Eigenart abgestimmt. Wir bieten unseren Kunden passgenaue Lösungen, die ihren individuellen Bedürfnissen und Herausforderungen gerecht werden. Unser Geheimrezept: Anlagen mit modularer Bauweise. Auf diese Weise können wir unsere Lösungen auf jeden Kunden – ob Craft Brewer, mittelständischer Mineralbrunnen oder globaler Softdrink-Riese – optimal zuschneiden.

Wir leben in einer zunehmend virtuellen Welt. Welche Bedeutung haben in diesem Umfeld „analoge“ Messen wie die drinktec als Innovationsplattform?

Tobias Wetzel

Die drinktec ist und bleibt für uns die bedeutendste Innovationsbühne. Sie lässt die Herzen unserer Ingenieure höherschlagen und treibt unser Vertriebsteam zu Höchstleistungen an. Für mich ist klar: Die drinktec kann durch kein virtuelles Medium der Welt ersetzt werden. Die Corona-Pandemie hat dies eindrücklich erlebbar gemacht. Die Messe ist eine einmalige Plattform, um Innovationen live zu erleben, zu diskutieren und im direkten Dialog einzuordnen. Vertrauen, Partnerschaft und Technologietransfer entstehen genau dort – zwischen Menschen.

Natürlich nutzen wir auch die digitalen Kanäle intensiv, sei es für Schulungen, virtuelle Produktpräsentationen oder unsere vielfältigen Remote-Services. Aber die drinktec ermöglicht etwas, das virtuell nur begrenzt stattfinden kann: Sie ermöglicht den Besuchern, Anlagen in Aktion zu erleben, ihre Qualität zu fühlen, ihre präzise Arbeit mit eigenen Augen zu sehen. Aber vor allem bietet sie einen persönlichen Austausch auf Augenhöhe.

Die nächste drinktec findet 2028 statt und passt sich damit den Innovationszyklen in den Unternehmen an. Entspricht diese Entwicklung auch der Erfahrung von KHS?

Tobias Wetzel

Die drinktec ist ohne Zweifel ein Höhepunkt in unserem Kalender. Als Weltleitmesse ist sie die ideale Plattform, um unsere Innovationen einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Dennoch richtet sich unser Entwicklungszyklus natürlich nicht vorrangig nach einem starren Jahres-Rhythmus. Die Getränke- und Liquid-Food-Industrie ist sehr schnelllebig und komplex. Bei KHS arbeiten wir daher in agilen Prozessen. Viele Lösungen entstehen im engen Austausch mit unseren Kunden und Partnern und werden nach ausgiebiger Testung in den Markt gebracht – unabhängig von Messeplänen. Die drinktec ist dann der Ort, an dem wir diese Entwicklungen in einem größeren Kontext sichtbar machen und weiterdenken. Sie ist ein wichtiger Takt-, aber nicht der einzige Impulsgeber.

Die Leitthemen der diesjährigen drinktec lauten: Circularity & Resource Management, Data2Value und Lifestyle & Health. Werden sich diese Schlagwörter auch in ihrem Messeauftritt wiederfinden?

Tobias Wetzel

Die drinktec ist für uns die wichtigste Messe des Jahres. Wir planen unseren Messeauftritt daher sehr akribisch. In diesem Jahr möchten wir unsere Kernkompetenz, unsere Leidenschaft für Technologie, stärker in den Fokus rücken. Dies spiegeln auch unser neuer Messeclaim und unser Key Visual wider, die wir am 15. September auf unserem Messestand enthüllen werden.
Natürlich sind die diesjährigen Leitthemen der Messe wichtige Schwerpunkte, die sich auf unserem Messestand wiederfinden werden. Denn das ist es, was unsere Kunden bewegt. Wir stehen ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite und haben die passenden Antworten auf ihre Fragen – sei es zum Thema umweltschonende Verpackungslösungen, energieeffiziente Anlagen oder smart vernetzte Digitallösungen.

Eine letzte Frage: Welche Innovationen wird KHS auf der drinktec 2025 dem weltweiten Fachpublikum konkret vorstellen?

Tobias Wetzel

Auf der drinktec präsentieren wir neu- sowie weiterentwickelte Lösungen und Services für alle gängigen Behältersegmente. Übergeordneter Leitfaden ist unser ganzheitlicher Liniengedanke. Bestes Beispiel hierfür ist der InnoPET FreshSafe QuadBlock, den wir erstmals auf der drinktec der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Er kombiniert KHS-Technologien aus den Bereichen Streckblasen, Beschichten, Abfüllen und Etikettieren zu einer effizienten und platzsparenden Gesamtlösung. Im Glassegment möchten wir die Besucher mit unserer Reinigungsmaschine Innoclean Cascade-D überzeugen. Sie zeichnet sich vor allem durch einen niedrigen Energie- und Medienverbrauch sowie geringeren Platzbedarf aus. Darüber hinaus stellen wir unser vielfältiges Portfolio an digitalen Lösungen und Serviceangeboten vor. Dazu zählen unter anderem unser neues Austauschprogramm für Kaltleimstationen bei allen gängigen KHS-Etikettiermaschinen sowie unser Ersatzteilservice mit Produkten aus dem 3D-Druck.

Ein weiterer Fokus liegt auf unserer neuen 0,25-l-Flasche aus PET für stilles Wasser, welche wir auf der drinktec erstmals zeigen werden. Da sie zu 100 Prozent aus rPET besteht und komplett recyclingfähig ist, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Circular Economy. Gefragt und damit Teil unseres Messeauftritts sind zudem energieeffiziente und platzsparende Anlagen wie der SmartCan Eco by KHS/Ferrum. Dieser Dosenfüller-Verschließerblock bietet folgerichtig einen kleineren Energie- und Medienverbrauch sowie einen geringen räumlichen Fußabdruck.

Allen Innovationen gemeinsam ist, dass sie unseren Kunden messbare Verbesserungen in Bereichen wie der Effizienz, Ergonomie, Nachhaltigkeit, Bedienbarkeit, Produktivität und des TCO bieten. Unser Ziel ist einfach formuliert: Wir möchten unsere Kunden noch erfolgreicher machen – durch passgenaue Lösungen und Services.